Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Als Diablo 3 rauskam, war das ein Problem für mich.

Was Diablo 2 anging, war ich unschlagbar. Ich habe es wer weiß wie oft komplett durchgespielt: Über-Diablo, Pandemonium, alles. Auf Hardcore natürlich, mit Softcorespielerinnen rede ich gar nicht. Hardcore heißt: wer einmal stirbt, der bleibt auch tot, so wie im echten Leben auch.

Ich kannte jede Händlerin beim Vornamen, jedes noch so obskure Horadrimwürfelrezept, jeden verdammten Winkel mit Super-Unique-Bossen, die Namen trugen wie Baumkopf Holzfaust, Bischibosch oder Schnappzapp Schmetter. Ich sprach eine hochspezialisierte Fachsprache und sagte Dinge wie: “Ich brauche eine sockelbare Phasenklinge.” Oder: “Ich muss den Build erst mit dem Increased Attack Speed Breakpoint Calculator durchchecken.” Ich hatte qualvolle Entscheidungen zu treffen. Etwa die Wahl zwischen +20 All Stats und +10 Magic Find. Max Block oder Max Life? Faster Cast Rate oder Faster Recovery on Hit?

Auf der Jagd nach dem Stein des Jordan verbrachte ich meine Abende mit 200 Andy Runs, zwischendurch beobachtete ich den Kurswert von Pul-Runen im Handelsforum. Nachts träumte ich von untoten Schwärmen stygischer Puppen. Als der fiese Totenbeschwörer Nihlathak vermittelst der gefürchteten Kadaverexplosion meine Bärengestalt-annehmende Nahkampfzauberin zermatschte (Level 96, deine Heldentaten werden unvergessen bleiben), erlebte ich zum ersten Mal, was heftige, kurze Trauer bedeutet.

Ich habe mehrere hundert Stunden mit diesem Spiel verbracht, mich zeitweise ungenügend gewaschen und die Erfordernisse des Lebens ignoriert. Ich war sehr lange asozial, glücklich asozial.

Dann kam Diablo 3 raus und ich bekam Angst. Ich wollte es kaufen. Dreimal bin ich bei Saturn um das Regal herumgeschlichen wie ein Alki im Schnapsladen. Ich wollte es. Kaufen. Aber ich durfte es nicht tun. Das durfte ich nicht! Ich hatte Deadlines für Hausarbeiten und alle möglichen Pflichten. Und wenn ich dieses Spiel kaufte, so wusste ich, was passieren würde: Ich würde mich krank melden, nur um sieben Tage lang vor dem Computer im eigenen Saft zu gären und den Pizzadienst  überzustrapazieren.

 

PS: Ich habe das Diablo-3-T-Shirt von der Diablo-3-Release-Party.

PPS: Ich habe die Musik von Diablo 2 als Weckeralarm eingestellt.