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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Wer die Bilder vom Neujahrsabend 1989 an der Berliner Mauer sieht, fühlt unweigerlich ein Drücken im Hals, eine Schwere beim Atmen. Geschichte ist keine leichte Kost, wenn sie so schön ist, so viel Gravitas enthält. Wenn sie schön ist und so viel Gravitas besitzt wie David Hasselhoff.

In einer mit Glühbirnen besetzten Lederjacke und Röhrenjeans sang er den Deutschen die Teilung aus den Herzen. Die, die Monate zuvor noch montäglich bekräftigt hatten, dass sie das Volk seien, sahen nun eine blinkende Lichtgestalt, deren Euphorie sich auch auf sie übertrug.

Schließlich waren auch sie auf der Suche nach Freiheit gewesen, so lang, seitdem sie ihre Heimatstadt verlassen hatten und die sie bis heute nicht haben finden können – nach eigener Aussage sind die Menschen dort nämlich immer noch das Volk. Dafür sind sie aber sehr viel weniger sozialistisch als 1989.

Die Wiedervereinigung: Keine Anerkennung für David Hasselhoff

Wie ein Schlag in sein bis heute jungenhaftes Gesicht muss es sich also angefühlt haben, als er erfuhr, dass seine Leistung bei der Wiedervereinigung nicht gewürdigt werden würde. Das neu errichtete Mauermuseum am Checkpoint Charlie sollte ihn unerwähnt lassen. Er sollte um seinen polit-historischen Platz in der deutschen Geschichte betrogen werden.

Der brustbehaarte Hüne war gekränkt, ja sauer. Zu Recht fühlte er sich hintergangen. Die kollektive Erinnerung des deutschen Volkes sollte ihm gehören. Aber das war ihm nicht vergönnt.

Heute akzeptiert er sein Schicksal. Das fällt ihm leicht. Er ist immerhin nach wie vor ein Held der Deutschen. Deswegen hat er mittlerweile auch Abstand von seinen damaligen Aussagen genommen. Heute ist er zufrieden mit dem Platz, den er im Herzen der Deutschen eingenommen hat. Dort thront er zwischen Helmut Kohl und Helene Fischer: Der Schlagersänger mit dem Mauerfall. Er weiß, dass er in Deutschland ein Held ist. Politisch konnotiert oder nicht, Baywatch zum Beispiel kennen alle.

Außerdem, das weiß er womöglich noch nicht, gibt es mittlerweile im Keller eines schmandigen Berliner Hostels ein Museum, das nur ihn ehrt, ganz unpolitisch.