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von und für Zaubernde

Schadenfreude hat auch in Japan eine lange Tradition, Batsu Games zum Beispiel. Lol.

Oh my, die gute deutsche Schadenfreude! So voller Spott und Häme, so höhnend; Ausdruck einer der vielen dunklen Seiten menschlicher Psyche.

Und doch, so fanden japanische Wissenschaftlerinnen heraus, aktiviert Schadenfreude das Belohnungszentrum im Gehirn. Die hämische Freude über das Unglück anderer ist also neurologisch betrachtet eine gute und wohltuende Sache. Klar: Homo homini lupus est, das wussten schon die Römerinnen.

Der Mensch steht in einem konstanten Konkurrenzkampf. Der durch ihn entstehende Druck muss unbedingt rechtzeitig abgelassen werden, denn niemand möchte vor Neid gelb werden, sondern vorher lieber den spöttischen Finger der Schadenfreude in den Hals stecken. Klar, das allgemeine Gegeneinander ist heutzutage zwar nicht mehr immer augenfällig, doch Subtilität ist vielleicht gar das größere Gärmittel für Neid. In der Regel äußert sich dieser nämlich nicht öffentlich. Auch bei der Schadenfreude unterscheidet man zwischen heimlicher und offener. Letztere ist im Arbeits- und Unialltag eher selten, wird dafür aber im Fernsehen bereits seit Jahren immer salonfähiger. Stichwort: Castingshows. Hier wird offene Schadenfreude gelebt. Allerdings grenzt die in diesem Fall bereits hart an Niedertracht.

Zum Glück veraltet klassisches Fernsehen zusehends und steht Unterhaltung aus aller Welt auf großen Videoportalen zur Verfügung. Wer sich also etwas Gutes tun möchte, der sei hier Japan angeraten. Nirgendwo wird das Sanus-Per-Schadenfreude-Segment origineller und dämlicher bedient als mit Batsu-Games. Diese sind fester Bestandteil japanischer Fernsehkultur. Es gibt dort zum Beispiel eine sogenannte Chinko-Maschine. In diese sind mehrere männliche Kontrahenten eingespannt. Bei einer falschen Antwort auf eine der Fragen, die ihnen gestellt werden, schlägt ihnen die Maschine in das Chinko, das Gemächt. Hahaha, ins Gemächt!

Christopher Gripp