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von und für Zaubernde

Die Homeparty ist der Ort um sich von den Fesseln der Zivilisation zu lösen und sich gehen zu lassen.

Mit nun beinahe 30 Jahren und einer übertriebenen Arbeitsmoral werden auch die „Privatpartys“ immer trauriger. Meistens bei Freund:innen, man kennt alle und der Alkoholkonsum bleibt maßvoll. Es überwiegen sogenannte „Spiel-“ oder „Film“abende. „Man hat es nicht leicht – doch leicht hat es einen“ das bürgerliche Leben.

Viva la Eskalation auf der Home

Deswegen folgt hier eine Hommage an die guten alten klassischen Privatpartys und Homepartys, wo sämtliche bürgerlichen Werte über den Haufen geschmissen werden, Freiheit zelebriert wird und kaputt gemacht wird was euch kaputt macht. Am besten ist es die Gastgeberin bzw. den Gastgeber nicht zu kennen, das spart später unnötige Erklärungsnot. Optimalerweise ist selbige:r schon auf etwaige Eskalationen eingestellt.

Wenn nicht, kann sie:er einem im Nachhinein immer noch leid tun. Sobald in der Einladung „bringt ruhig Freunde mit“ steht, ist das Chaos sowieso nicht mehr abwendbar. Rauchverbot in der Küche – zwecklos. Sei dir sicher, dass dort als erstes die Bong die Runde macht. Schlafzimmer der WG-Kolleg:innen oder Eltern ist Tabu? Der war gut. Stell dich drauf ein, die Bettwäsche mehr als einmal waschen zu müssen. Es sei denn deine Eltern bzw. Mitbewohner:innen haben kein Problem mit verkrusteten Körperflüssigkeiten.

Lecker Körperflüssigkeiten

Im Bezug auf selbige sollte man auf einiges gefasst sein. Erbrochenes im Hausflur, vollgepisste Toilette und was man sich noch so denken kann. Wenn sich die Gäste überhaupt die Mühe machen bis zum Klo zu gehen und nicht alternative Ecken suchen, hast du Glück.

Als Veranstalter:in sollte man sich außerdem auf die bösen Blicke der Nachbarn die nächsten 2 Jahre einstellen. Es hilft kein „es könnte etwas lauter werden“ Zettel, wenn die Kinderfahrräder im Hof in den Bäumen hängen und Mutti am Montag ohne Schlaf zum Frühdienst muss. Unter manchen Berliner:innen gibt es einen weiteren Brauch im Bezug auf anonyme Privatpartys: es wird geklaut was nicht niet und nadelfest ist.

Für Gastgeber:innen ist es also ratsam alles was irgendeinen Wert hat weit weg zu schaffen. Am besten in ein anderes Bundesland. Auch Verletzungen sind zu erwarten, spätestens wenn beim überambitioniertem anstoßen Bierflaschen zu Bruch gehen oder Konflikte in Faustkämpfen enden. Wenn du also demnächst eine Homeparty veranstaltest und denkst, es könnte ja ganz gesittet werden: „Lass fahren alle Hoffnungen!“

Es ist auch damit zu rechnen, dass sich Mythen und Geschichten um die Party ranken werden. Die:der Gastgeber:in wurde nach der Party ins Internat geschickt, oder gleich ins Heim. Die und die sind jetzt schwanger. Und … musste noch im Krankenhaus reanimiert werden. Wie rappte schon der Berliner Mach One: „Medizinschrank und Hausbar sind restlos geplündert, (…) die Kakteen haben Bissspuren, der Gekko kriegt Kinder“. Sowas halt.

Die Kirche der Lasterhaften ist die Homeparty

Somit bekommt die Homeparty einen mystischen, quasi-religiösen Charakter. Genau lässt sich nicht rekonstruieren, welche Erzählungen wirklich stimmen, was übertrieben und was erstunken und erlogen ist. Wie ein Bibelvers müssen die Ereignisse der Nacht und ihre Folgen gedeutet, rekonstruiert und interpretiert werden. Um sie wabern Legenden, wie um die heilige Mutter Maria und Moses.

Die Homeparty ist also eine heilige Bastion, eine Kirche der ausschweifenden Sünden und die Grenze der Zivilisation. Für einen Moment lassen alle Wüstlinge die Ketten fallen und geben sich wie der Schutzpatron der Lasterhaften Marquis de Sade den Freuden des Fleisches hin. Deswegen ehrt die Home-Party. Dankt in Demut den Gastgeber:innen, denen bis heute die Halsschlagader anschwillt, wenn sie euren Namen hören. Amen, Halleluja und Prost!