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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Eine Armlänge Abstand im Jahresrückblick 2016: Wir blicken zurück auf ein Jahr, das im allgemeinen Jahresrückblick nicht allzu gut wegkommt. Wir gucken aber nicht nur auf Trump.

Silvester 2015/16: Eine Armlänge Abstand

In besagter Nacht wurden hunderte, ja tausende Frauen Opfer sexueller Gewalt. Zahllose Männer hatten sich um den Kölner Hauptbahnhof versammelt und Passanten darin und darum sexuell bedrängt, bestohlen, ausgeraubt.

Die Ereignisse vom Kölner Hauptbahnhof führten zu einigen spannenden Einfällen der Politik, die diesmal nicht nur mit Einwanderungsproblematik zu tun hatten. Oberbürgermeisterin Henriette Reker ließ sich ein paar flotte Guidelines einfallen. Für ihre Bürgerinnen wohlgemerkt. Diese „Prävention“ sei nötig, damit „solche Dinge“, sprich: sexuelle Übergriffe, „Ihnen“, also Frauen, nicht widerfahren. Frauen sollen innerhalb der eigenen Gruppe bleiben und sich von dieser nicht trennen lassen, auch nicht in Feierlaune.

Schnell vergisst die besonnene Frau in ihrem Übermut doch glatt wieder, dass ihr der öffentliche Raum nicht in gleicher Weise zur Verfügung steht, wie einem Mann. Dass sie sich an einen Kodex zu halten hat, der ihre Mitschuld an einem Übergriff in jeder Zeile mit anklingen lässt. Herzallerliebst.

Hohn? Zynismus? Eine Armlänge Abstand

Ist es nicht der kurze Rock, ist es ab jetzt jedenfalls die fehlende „Armlänge Abstand“. Dieser Tipp der schlauen Jette war mit Abstand der sinnvollste und somit auch am besten für mediale Shitstorms verwendbar. Unter #einearmlaenge kursierten nicht nur Hohn und Stirntipperei, sondern auch viele kleine lustige Hitler-Bildchen mit erhobenem Maßstab-Arm. Vielleicht unglücklich formuliert, vielleicht völlig weltfremd und naiv. Victim Blaming bleiben diese Aussagen allemal. Höhnisch gegenüber den betroffenen Frauen und komplett unverständlich nach dem Angriff, dem sie kurz zuvor erst entkam. Sollte Frau Reker demnächst mal wieder so richtig in “Feierlaune” sein, kann sie ja berichten, wie safe sie sich mit ihren eigenen guten Ratschlägen im Getümmel fühlt.