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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Wie Pokémon Go die Welt verändert im Jahresrückblick 2016: Wir blicken zurück auf ein Jahr, das im allgemeinen Jahresrückblick nicht allzu gut wegkommt. Wir gucken aber nicht nur auf Trump.

13.07.: Wie Pokémon Go die Welt verändert

Schleppend laufen die Massen und schleppend suchen ihre Blicke. Dann erscheint ein Flegmon. Diese wundersame Nachricht vermag sich als Einziges in das Gehör der Menschen zu bohren und ihren schwerfälligen Gang zu einer unbedachten Lawine aus stampfenden Schuhen zu wandeln. Blanke Hysterie. Genug geschleppt, jetzt wird gerannt.

Groß war die Furcht vor hirnfressenden und die Gesprächskultur auslöschenden Smartphones. Im Jahr 2016 dann die Wende: Pokémon Go. Plötzlich ist niemand mehr gezwungen, über Kim Kardashians neueste Kleider zu reden, bloß weil der Rest der Facebook-Timeline noch stumpfsinniger ist. Nun parliert man eloquent über eine potenziell einnehmbare Arena im Umkreis. Oder den Erfahrungspunktedefizit bis zum nächsten Level. Ziemlich deeper Scheiß.

Wir sollten Pokémon Go dafür danken, dass es eine solch heterogene Menschenmasse zusammenbringt. Sechsjährige Grundschüler:innen, die kaum größer als ihre Ranzen sind, tauschen sich substanziell mit 40-jährigen Siemens-Ingenieur:innen aus. Und wenn ihnen diese erzählen, sie hätten in ihrem Van nicht nur leckere Süßigkeiten, sondern auch einen Hotspot mit ganz seltenen Pokémon, löst sich sogar der Generationskonflikt von ganz alleine.

Frau Merkel könnte ihren kommenden Wahlkampf mühelos mit einer Togepi-Ei-Flatrate gewinnen und sämtliche Rentenansprüche ausschließlich in In-App-Währung auszahlen. Schulhöfe müssten nicht mehr mit sperrigen Klettergerüsten bestückt werden. Nur Steckdosen wären unverzichtbar. Leute, selbst Mexikaner:innen wären sicher, wenn Trump lieber Pokémon statt ihrer jagen ginge. Unvorstellbar, welches Potenzial in diesem Spiel steckt. Und genau deshalb gehört es auf jedes Smartphone!