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Das gesellschaftskritische Popmagazin

In unserem Jahresrückblick 2015 findet ihr fortan jeden Tag ein Türchen, das es durch Klicken zu öffnen gilt. Wir stellen euch die bewegendsten, die tollsten, die beeindruckendsten Vorkommnisse des letzten Jahres vor. Ihr werdet es LIEBEN!

Die Links zu den bisherigen Türchen findet ihr unten. Die 06 fehlt leider, aber da war Nikolaus, wir hatten einen furchtbaren Kater und die Party des Abends zuvor steckte uns noch schmerzhaft in den Knochen. Seht es uns nach, ihr süßen Babyweihnachtsmänner (und Babyweihnachtsfrauen)

Jahresrückblick 2015

22.12. Schnute tot

Schnute ist tot. Als Experte für tote Tiere (Delphine z.B.) bleibt einem da nichts anderes übrig als zu trauern. Überhaupt kommt man als Totetiereexperte immer wieder ins Trauern – Eigentlich kommt man aus dem Trauern nie wirklich raus. Tiere sterben immer (Elefanten z.B.). Öfter noch als Menschen, schon weil es mehr davon gibt. (Tiger z.B.)

Jetzt ist ein Tier (Bär) von uns gegangen, das in seinem Leben vorher nie wirklich weit gegangen war. Schnute. Der Berliner Stadtbär. Super traurig ist ihr tod, erinnern wir uns doch noch daran, als sei es gestern gewesen, wie sie völlig heruntergekommen, mit zerzaustem und größtenteils ohne Fell durch ihre bemitleidenswert kleinen Zwinger gezogen ist, krampfhaft auf der Suche nach Zerstreuung. Gefunden hat Schnute diese Zerstreung in ihren etwa 60 Quadratmetern nie. Dafür aber Aktivisten, die, als Schnute (Bär) verkleidet auf dem Dach ihres Winterquartiers herumturnten, um die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass das mit Artgerechtigkeit nichts zu tun hatte, was Schnute da machte.

Schnute war der Statdbär der Herzen und ihr Tod lässt uns einen Stadtbär ärmer zurück – nämlich stadtbärlos. Maxi, der Artgenosse Schnutes und genauso traurig anzusehen, war schon vor einiger Zeit gestorben. Ob Schnute einsam war, bevor sie starb? Wahrscheinlich ein bisschen verrückt, aber wer wäre das nicht?

Vielleicht war Schnutes Tod also gar nicht so schlimm. So wie man sagt „Es war an der Zeit …“ oder „zumindest muss sie jetzt nicht mehr leiden“, wenn die Oma gestorben ist. Die lange Krankheit der Oma war für Schnute ihr Leben im Zwinger in Köllnischen Park. Ich war immer gerne dort, bei Schnute.

 

Robert Hofmann

21.12. The Finger

Yanis Varoufakis, das Schlitzohr, jetzt zeigen wir mal, wer der wirklich ist und überhaupt, was bildet der sich eigentlich ein, der Frechdachs?

So oder so ähnlich dachte wohl die Redaktion des People-Magazins Günther Jauch in der ARD, als sie den inzwischen zuhauf gegoogelten Mittelfinger-Ausschnitt ausstrahlte, der den ehemaligen griechischen Finanzminister im Mai 2013 mit einem auf Deutschland bezogenen ausgestreckten Mittelfinger zeigte.

Varoufakis, selbst als Gast ins Berliner Gasometer geladen, verstand die Welt nicht mehr und bezeichnete den Videoschnipsel als Fälschung. Doch mit dieser Verteidigung hatte er beim deutschen Sonntagabend-Publikum, das vom Tatortgucken noch ganz feucht war, schlechte Karten. Der Schuft, was glaubt der denn eigentlich, wer er ist – dachten wohl Hunderttausende Zuhause auf der heimeligen Couchgarnitur. Und während man noch lecker die zerkauten Chips mit dem zweiten Weizen runterspült, behauptet dieser griechische Kasper, das sei eine Fälschung? Geht’s noch?

Das dachte sich wohl auch Jan Böhmermann und sein Team vom Neo Magazin (Jetzt Neo Magazin Royal). Kurzerhand wurde die gesamte Angelegenheit sauber satirisch aufgearbeitet, indem der Mittelfinger als von Böhmermann selbst gewerkelte Fälschung präsentiert wurde. Kurzzeitig bekamen einige Jauch-Redakteure nasse Hosen, da sie dachten, tatsächlich vorgeführt worden zu sein. Gar nicht wissen möchte man, wie sich Jauch dabei vorkam. Obwohl schließlich klar wurde, dass die Böhmermann-Aktion als fein durchdachte In-Your-Face-Aktion konzipiert war, haben bis heute noch immer nicht alle verstanden, dass der Ausschnitt trotzdem eine knallharte Manipulation darstellt.

Die Aktion, mit einem völlig aus dem zeitlichen und thematischen Zusammenhang gerissenen Videofetzen das Publikum geil zu machen, damit ihnen der Sabber vor lauter Wut aus dem Steuerzahlerinnen-Mündchen tropft und vor lauter „So geht’s aber nich!!“-Geschreie auf dem Sofa zürnt, ist die mieseste Publikums-Ranmache seit Stern-TV. Dass dieses Prinzip auf Dauer nicht ganz so fetzt, haben inzwischen auch die ARD-Oberen verstanden und Jauch höflich aber bestimmt von seinen Talk Gastgeber-Aufgaben entbunden. Oder hat er es nicht am Ende selbst herausgefunden und die Konsequenzen gezogen? Egal. Hauptsache der Varoufakis lässt seinen Finger stecken, sonst gibt’s was!
David Bäuerle

19.12. Playboy verzichtet auf Nackideis

Oh nein! Der Playboy, der Inbegriff der sexualisierten Darstellung weiblicher Körper, will die weibliche Nacktheit einschränken. Und weil „nackt“ absolut ist, heißt das: verbannen. Wenn also der Playboy, der erregte Fels in der Pornobrandung, der sich mit seiner noch vergleichsweise dezenten und erotischen Darstellung nackter Körper als angenehm antiquiertes Altherrenmagazin gegen die Übermacht der omnipräsenten Verfügbarkeit von Hardcorezeug gestellt hat, auf Nacktheit verzichtet, was heißt das dann?

Wird nun der Porno unser letzter Zugang zu sexualisierten Darstellungen weiblicher Körper und gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen dezent- und hardcore-ausgebeuteten Frauenkörpern?

Als wäre es gestern erinnere ich mich an die Nachmittage, an denen ich mich heimlich in den Keller des Großvaters schlich. Seine gigantische und langsam verrottende Bibliothek hatte in einer Ecke eine besondere Sparte: In grüne Pappe eingebunden fanden sich dort Playboy-, Penthouse- und Lui-Ausgaben der 70er und 80er.

Weil ich immer häufiger aus fadenscheinigen Gründen im Keller verschwand, wuchs auch meine Dreistigkeit. Zuerst nahm ich nur meine Lieblingshefte mit, später einfach alle.

Aber hey, ich war gerade dabei zu pubertieren und die Omnipräsenz der Internetpornographie lag noch weit in der Zukunft. Erwehren konnte ich mich der Anziehungskraft dieser pornographischen Masse also beim besten Willen nicht. Wollte ich auch nicht.

Dass ich mir da Frauen in eindeutigen Posen in Heften angucken konnte, kam mir damals auch nicht unbedingt verwerflich vor. Dafür war ich viel zu geil.

Die Jugend von heute würde über meine Wichsvorlagen von damals wahrscheinlich nur müde lächeln. Überhaupt sähe sie ob der ganzen Haare sowieso nicht viel.

Für die Pubertierenden von heute macht es also gar keinen Unterschied mehr, ob man den Playboydamen zwischen die Beine gucken kann oder nicht. Und für mich übrigens auch nicht mehr.

Robert Hofmann

18.12. Ein Herz für den süßen Pluto

Nach neun Jahren und über 3 Milliarden Kilometern Reise liefert die Sonde “New Horizons” am 14. Juli 2015 die ersten detaillierten Bilder von Pluto. Nachdem der kleine süße Zwergplanet 2006 noch sehr traurig war, dass man ihm seinen Planetenstatus aberkannt hatte, freut er sich jetzt sehr über den langersehnten Besuch.

Als guter Gastgeber weiß Pluto seine Gäste zu überraschen. Sowohl seine Atmosphäre als auch seine Oberfläche sind ganz anders beschaffen als Expertinnen erwartet haben. So findet sich unter anderem Stickstoff, Methan und auch Wasser auf Pluto. Insbesondere ist seine Oberfläche jedoch mit unsäglich vielen Dünen überzogen. Sollten diese genauso wie auf der Erde entstehen, würde das bedeuten, dass es auf Pluto früher eine Atmosphäre gab, die der Erdatmosphäre sehr ähnlich war. Warum genau diese Atmosphäre heutzutage viel dünner ist, wissen die Wissenschaftlerinnen noch nicht.

Mittlerweile ist “New Horizon” wieder einige Milliarden Kilometer von Pluto entfernt und fliegt weiter ins unbekannte All. Als nächstes soll sie den Kuiper Gürtel, eine wilde Asteroidenansammlung, untersuchen. Na hoffentlich fängt sie sich da nichts ein.

Auch von der Erde ist es bis zu Pluto Ganze nicht gerade ein Katzensprung. Nichtsdestoweniger haben wir Pluto, unseren Lieblingszwergplaneten, ins Herz geschlossen und er uns offensichtlich auch.

Patrick Müller

17.12. Mein Name ist Beate, ich weiß von nichts.

Am 09. Dezember, nach über zwei Jahren des Schweigens im NSU-Prozess, sagt Beate Zschäpe endlich vor Gericht aus. Genauer gesagt: lässt vorlesen, sicher ist sicher. Schließlich könnte man ja auch durcheinander kommen und jede Menge Mist erzählen, wenn man mindestens zehn Jahre brutalen Terrorismus, mehrere Morde an wehrlosen Bürgern aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe und eine lange Zeit im Untergrund Revue passieren lässt. Das überlegt man sich dann doch lieber ganz genau.

Und wirklich Leute, das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ich habe nichts gewusst, nichts gemacht, jetzt tut’s mir ein bisschen Leid. Sorry, Leute, kann passieren. Klar, die zwei süßen Uwes fand ich klasse, aber Naziverbrechen? Näääää! Das Bekennervideo, das ich versendet habe, hab ich selbst erst im Fernsehen zu Gesicht bekommen. Ehrlich jetzt, schwöre! Interviewanfragen bitte schriftlich an meinen Anwalt. I’m out, peace!

 

Ob sich Beate die Ahnungslose, neue arische Schutzbefohlene der Nazi-Relativiererinnen und Schandtat-Leugnerinnen, in Untersuchungshaft von Shaggys „It wasn’t me“ inspirieren lies, wird ein Rätsel bleiben. Viel wahrscheinlicher jedoch folgt sie auf ganzer Linie einer simplen deutschen Traditionsformel, die geht so:

 

Schritt 1: Sich von der Welt da draußen schrecklich ungerecht behandelt fühlen.

Schritt 2: Sich einreden, dass man, obwohl man nichts kann, einfach schon von Geburt an geiler ist als alle anderen.

Schritt 3: Richtig üble Scheiße bauen bis alles zu spät ist.

Schritt 4: Entgegen jeder noch so offensichtlichen Wahrheit alles abstreiten.

Die Ergebnisse können letztendlich variieren.

 

Leider hat das Abstreiten in der Vergangenheit oft ganz gut geklappt, siehe Entnazifizierung in den Nachkriegsjahren. Auf der anderen Seite wurden die großen Fascho-Posterboys und -girls aber auch schnell mal aufgeknüpft. Das klingt verlockend, ist aber auch nicht das Wahre. Man kann nur hoffen, dass wir da heutzutage als Gesellschaft samt halbwegs funktionierendem Rechtsstaat weiter sind und auch einfach mal sagen können: Wenn es nach uns ginge, gäbe es als Strafe „Locked up“ von Akon in Dauerschleife, bis du in einer Zelle ohne Fenster verreckst, du Vollarsch. Aber wir sind besser als du, lassen unserem Groll keinen freien Lauf und das ganze lieber im Gerichtssaal klären. Menschenrechte und so, egal wie scheiße wir dich finden. Also genieße die staatliche Ordnung genau jener freien Gesellschaft, die du in die Knie zwingen wolltest mit deinem Nazihass und empfange dein Urteil, das dann hoffentlich heißen wird: Weg mit dir auf Lebenszeit, du widerlicher Mensch.
Samuel Krist

16.12. Japanisches Roboter Hotel

Im Juli dieses Jahres wurde in Nagaski, wo auch sonst, endlich das Problem unfreundlicher Service-Kräfte gelöst. Dazu wurde im “Henn-na Hotel”, das heißt soviel wie “seltsames Hotel”, einfach die Belegschaft vollständig durch Robotern ersetzt. Das ist aber nicht nur ziemlich cool, sondern gleichzeitig auch ziemlich praktisch, denn Roboter fragen Erfahrungswerten nach nur sehr selten nach Gehaltserhöhungen.

Der Gründer des Hotels nutzt die gesparten Personalkosten, um Kunden durch günstigere Preise der Konkurrenz wegzuschnappen. Eine Nacht im Doppelzimmer kostet ungefähr 65 Euro, wer lieber ein Einzelzimmer haben möchte, zahlt um die 50 Euro.Also schnell bei dem riesigen Dinosaurier an der Rezeption in die Luxussuite einchecken.

Wer aber gar nicht so traurig ist, dass Dinosaurier eigentlich längst ausgestorben sind, kann auch mit einem der netten Robo-Girls flirten. Ihr wollt lieber den Dinosaurier mit aufs Zimmer nehmen? Ihr seid doch krank!

Damit aber noch nicht genung High-Tech-Spielzeug. Im ganzen Hotel gibt es keine Schlüssel. Alle Türen und Roboter arbeiten mit einer Gesichtserkennungssoftware. Hoffentlich taucht jetzt nicht plötzlich die böse Zwillingsschwester auf.

Ganz ohne Menschen geht es aber auch nicht.

Damit sich nicht jede einfach so mit den netten Robo-Girls oder dem Dinosaurier aus dem Staub machen kann, wird auf menschliche Sicherheitskräfte gesetzt.
Patrick Müller

10. 12. Exogurke

Was wäre die Welt nur ohne die NASA? Tatsächlich beschäftigt sich die amerikanische Weltraumorganisation mit allem, nur nicht mit der Erde – dem Extraterrestrischen eben. Doch genau das sorgt in der tellurischen Informationsgesellschaft für Aufsehen. Unlängst wurde nun bekannt gegeben, dass mit Kepler-452b der bisher erdähnlichste Planet überhaupt entdeckt wurde. Indirekt entdeckt. Durch Helligkeitsschwankungen. Das ist total unspektakulär. Umso spektakulärer das Mutmaßen, ob auf einem solchen Himmelskörper leben existieren könnte: Erde 2.0 heißt es in fast allen Besprechungen zum Thema. Dabei ist doch gerade ein Planet, der circa 1400 Lichtjahre entfernt ist, alles andere als interaktiv. Und so wenig wie die Erdenbürgerin direkt mit einem solchen Gestein interagieren kann, genauso wenig kann sie überhaupt etwas anderes tun als mutmaßen. Das ist eben der einzige Spaß, den uns die Astronomie bietet. Auch ist es der einzige Grund, warum sich dieser Text hier befindet – es soll gemutmaßt werden: Kepler-452b ist in Wirklichkeit eine Gurke. Nur zu gerne würde ich mit ihr interagieren, sie verspeisen. Doch dies ist mir nicht vergönnt. Ich werde die Gurke in meinem Leben niemals zu Gesicht bekommen. Ich bin sehr betrübt. Aus Frust photoshoppe ich ein Bild von ihr zusammen. Wenn ihr sie sehen wollt, wie ich mir sie vorstelle, dann klickt hier. Live long and presume.

Christopher Gripp

9.12. Löwe Cecil

Was mag er gedacht haben, nachdem er stundenlang durch die Steppe gestapft war, hungrig, gierig und nichts als seinen Instinkten folgend? Als er das köstlich duftende Stück Fleisch nur ein paar Sekunden außerhalb seiner Reichweite wähnte, nur einen Katzensprung entfernt.

Und was mag er gedacht haben, als sich die Armbrust auf ihn richtete, sich plötzlich ein beißender Schmerz durch seinen Körper zog und er seine Kraft minütlich weiter schwinden spürte?

Wahrscheinlich „Miau“. Denn Cecil der Löwe dachte nicht in Menschenworten, sondern in Katzenlauten. Etwa 24 Stunden quälte er sich dann mit dem Pfeil im Körper. Erst dann zog sein Vollstrecker, ein schnöder amerikanischer Zahnarzt mit einer Vorliebe für schicke Mähnen (Walter Palmer, du Ficker), dem leblosen Tier das Fell über die Ohren (nur halb so lol wie es klingt), köpfte es und tat, was Zahnärzte so tun, wenn sie Tiere töten.

Nun mag man denken „Hm, nun ja, grausam, aber war kein Perro, halb so wild also“. Aber: Erstens war das Tier ganz schön wild. Zweitens gilt es zu bedenken, dass Großkatzen die gleichen Verhaltensmuster an den Tag legen wie Hauskatzen. Diese würden also ihre Besitzer genauso umbringen wie es Löwen tun würden, wenn man sie hielte, um sie im Bett kraulen zu können.

Dass Löwen also potentielle Katzenbesitzermörder sind, sollte ihnen hoch angerechnet werden. Und es gehört sich auch schlicht nicht, hübsche Löwen zu töten. Und Zahnärzte sind sowieso das letzte.

Robert Hofmann

08.12. Mortal Kombat X erscheint!

Es wird wieder Zeit, Knochen zu brechen. Lang erwartet erscheint Mortal Kombat X im April in Deutschland. Da WB davon ausgeht, dass der Teil wie alle vorherigen entweder indiziert oder wenigstens geschnitten wird, geben sie das Spiel gar nicht erst an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien weiter. Zu schlechte Erfahrungen wurden miteinander bereits gemacht.

Der blutrünstigen Gamerin bleibt also nur die Wahl, entweder eine Bestellung in Österreich aufzugeben oder ganz verschämt nach Ware unter dem Ladentisch zu fragen.

Doch diese Entscheidung wurde verfrüht gefällt, denn im Juli gitb die BPjM bekannt, dass Mortal Kombat X in Deutschland freigegeben wird, zwar erst ab 18, aber dafür als erstes von 22 Spielen unzensiert. Begründet wird das Ganze damit, dass die Gewalt unrealistisch sei und daher Copycat Violence ausgeschlossen werden könne, also genau das, was Zockerinnen schon seit Jahren gesagt haben.

Aber voll egal. Jetzt hält es niemanden mehr. Es werden frohlockend Gedärme herausgerissen, Gesichter abgefressen und Knochen in alle Richtungen gebrochen. Mit lockeren Sprüchen auf den blutbespritzten Lippen werden Mortal Kombat Fans weiterhin das erleben, was sie lieben.  Also lasst euch nicht lang bitten, greift den auf euch wartenden Controller, verprügelt eure beste Freundin und lacht sie aus, wenn sie in Scheibchen serviert vor euch liegt. Einander zerfetzen hat schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht.
Stephan Heiden

07.12. Erste erfolgreiche Penistransplantation

In Südafrika, dem Land, in dem 1967 die erste erfolgreiche Herztransplantation stattfand, wurde 2015 auch ein Penis erfolgreich transplantiert. Der ursprüngliche Penis des Patienten musste wegen einer Infektion nach einem Beschneidungsritual amputiert werden. Zum Glück fand sich ein großherziger Spender, der bereit war, postmortal sein bestes Stück weiterzugeben. Großzügig. (Wie großzügig genau ist der Redaktion nicht bekannt)

Auch 2006 war bereits in China ein Penis transplaniert worden, der jedoch nach zwei Wochen wegen psychologischer Probleme des Patienten und seiner Frau wieder entfernt werden musste. Das lief dieses Mal besser, und sowohl der Patient als auch seine Freundin sind psychisch und physisch wohlauf. Ob sie es gar lieben? Man darf wohl davon ausgehen.

Penistransplantationen sind ethisch umstritten, weil es nicht das Leben ist, was dabei verlängert wird. Befürworterinnen argumentieren damit, dass ein Mann ohne Penis kein Mann sei, und dass die Transplantation daher als “lebensspendend” gelten solle. So weit wollen wir nicht gehen, wissen wir doch, dass das Geschlecht eines Menschen – wohl oder übel – nicht nur aus dem resultiert, was zwischen seinen Beinen wohnt. Im Juni aber hat sich diese Interpretation im wahrsten Sinne des Wortes erfüllt: der Patient wird nun auch Vater.

Rita Jordan

05.12. #dressgate oder Nichtigkeiten im www.

 

Im Februar rastete das Internet mal wieder richtig aus. Zu spät und mit dickem Kopf erwacht, zeigten mir Facebook, Instagram und Twitter das immer gleiche Bild: ein Kleid.

Ein hässliches Kleid aus Viskose, wahrscheinlich nur chemisch zu reinigen. Die Frage nach der Farbe dieses gerüschten Plastikschlauchs beschäftigte dann wochenlang das Internet. Von James Franco bis zum Premierminister von Singapur fragte jeder seine Freunde. Wie seht ihr es: Ist es weiß-gold oder blau-schwarz? Und plötzlich gab es zwei Gruppen von Menschen: Hell- und Dunkelseher – die Welt war gespalten, Beziehungen zerbrachen. Wildfremde Menschen setzten sich zu mir an den Tisch und befragten mich zu meiner Farbwahrnehmung. Und das alles wegen eines viel zu dunklen und wohl mit einer Kartoffel geschossenen Fotos.

Aus dem Bullshit wurde natürlich wieder Profit geschlagen: Frau McNeil, die das Foto von dem – in natura eindeutig schwarz-blauen – Kleid bei tumblr gepostet hatte, ist zuuuuuuufälligerweise die Sängerin einer bis dato völlig unbekannten Folkband. Nun ist es die berühmteste Band der äußeren Hebriden – Kleid sei Dank.

Der grottige Modehersteller, Roman Original, nahm übrigens schnell das zuvor bereits ausgemusterte Kleid flux ins Sortiment zurück. Mit dem schönen neuen und hashtagversehenen Namen #The Dress Lace Bodycoon und gleich in vier schönen Farben – und weiß-gold war definitiv nicht dabei.
Yana Duckwitz

4.12. Es wird ein Baby (The Rock wird Vater)!

The Rock ist der Größte. Nicht für alle. Manchen ist er gar egal. Für die anderen aber … alle anderen! Früher turnte er muskelbepackt durch Wrestlingarenen, heute turnt er –immer noch muskelbepackt – über Kinoleinwände.

Aber was ist denn überhaupt passiert, dass euch dieses herkulesartige Testosteronäffchen nähergebracht werden soll? Die Best-Of-DVD seiner Muskelberge? Die Fortsetzung eines Films über wütende Autos? Hat er vor, die Welt als hemdensprengender UN-Botschafter zu retten?  Nein, nein – alles womöglich richtig, aber viel zu trivial! Es geht nämlich um etwas weitaus Essentielleres:

The Rock wird Vater! Kann der sowas überhaupt, fragt man sich da automatisch. Scheinbar schon, immerhin ist es schon der zweite Sprössling, der seinen offensichtlich fruchtbar-muskulösen Lenden entspringt. Langzeitfreundin Lauren Hashian und The Rock sind Medienberichten zufolge überglücklich und freuen sich sehr auf den Nachwuchs, der im Januar ihre durchtrainierte Familie bereichern soll. Auch dieses Mal wird es übrigens kein Mini-Rock, zumindest kein männlicher. Aber bei zwei The Rocks begänne die Erde wohl schon – ob der schieren Masse – sich nur noch um sie zu drehen.
Anne-Kathrin Gräfe

3.12. We Just Need One Shot

Im Februar überraschte Victoria alle auf der Berlinale. 140 Minuten ohne einen Schnitt gedreht, improvisierte Dialoge und junge, ambitionierte Schauspielerinnen, die das typische Berliner Nachtleben darstellen.

Die Presse überschlug sich vor Lob, drehte Purzelbäume und sprang in Rückwärtssaltos durch die Feuilletons. Der Soundtrack von Nils Frahm wurde sein erfolgreichstes Album und Millionen stürmten ins Kino, um sich das anzusehen, was sie für real hielten.

Ist es zwar nicht, aber das war den meisten auch egal, es ging ja eh nur um den Hype. Also räumte Victoria mal ganz nebenbei sechs Lolas ab, den wichtigsten deutschen Filmpreis, und wurde dazu noch der erfolgreichste Film der Freiluftkinosaison. Denn im Dunkeln ist gut munkeln und wenn die Sonne weg ist, sind sowieso alle Filme grau.

Und dann im August die überraschende Nachricht: Victoria ist nicht für die Oscars nominiert. Es werde zu viel Englisch gesprochen, lautete die Begründung. Lol.

Stattdessen wurde Im Labyrinth des Schweigens ausgewählt und die Deutschen durften mal wieder zeigen, was sie, neben Nazis zu sein, am besten können: Filme über Nazis machen. Sorry, Victoria, aber vielleicht ist es besser so. Nazis gehen halt immer und deine subtilen Botschaften über ein Europa, das auf die kaputtst denkbare Weise zusammenwächst, enthielten schlicht zu wenig Nazis.

Freuen wir uns also lieber, dass mal jemand so „nah am Zeitgeist” war, wie die SZ es passend schreibt. Und hoffen wir, abends keinem Typen namens Sonne zu begegnen, der uns überredet, ihnen bei einem Überfall zu helfen, obwohl wir doch nur ein Bier trinken wollten. Oder hoffen wir, dass wir einfach schon drei Bier zu viel getrunken haben, um mit Sonne zu sprechen und freuen uns stattdessen über das bemerkenswert fehlerfrei anmutende Englisch, in dem wir mit Victoria über Nazis philosophieren.

Stephan Heiden

2.12. Januar: Erster transsexueller Schmetterling entdeckt

Am 12. Januar haben Wissenschaftlerinnen der Drexel Universität in Philadelphia den ersten Schmetterling gefunden, der sowohl weiblich als auch männlich ist – perfekt also für unseren Jahresrückblick 2015. Erkennungszeichen sind dabei die unterschiedlich gefärbten Flügel der einzelnen Geschlechter. Der gefundene Schmetterling wies sowohl einen Flügel in männlicher als auch einen in weiblicher Flügelfarbe auf – er war also nicht nur transsexuell, sondern auch wunderhübsch und bunt. Wie ein wunderschöner Regenbogen.

Obwohl die erste Vertreterin der Transgender-Schmetterlingsbewegung mittlerweile im Schmetterlingshimmel flattert, setzt sie doch ein Zeichen für alle nachfolgenden Schmetterlinge die sich nicht auf ein Geschlecht festlegen wollen. Es ist gut und beruhigend zu sehen, dass der gesellschaftliche Fortschritt auch in der Insektenwelt nicht aufzuhalten ist.

Danach befragt, wusste der Schmetterling mit den zwei Geschlechtern bereits, dass „der Weg noch weit und steinig, die Welt noch nicht bereit sei für Schmetterlinge, die sich zu dem bekennen, was sie sind – Schmetterlinge wie alle anderen auch”.

Es bleibt nur, mit Bushidos Worten zu schließen: „Du hast nicht gewusst, dass ich ein Rapper bin, doch ich wusste damals schon: Du bist mein Schmetterling.”

Schmetterling mit den zwei Geschlechtern, du bist unser Schmetterling!

Patrick Müller

 

 

1.12. Dezember: Klitschko verliert gegen Batman

Am Morgen des 28.11. auf der Titelseite der Bildzeitung: ein ernst dreinblickender Wladimir Klitschko, obenrum nackt, die ebenso nackte Faust dem Betrachter entgegenstreckend. Die Titelzeile: „Mein K.o.-Blick.“.

Samstag Nacht dann schaute Klitschko zwar genauso ernst, aber dazu auch ein wenig bedröppelt. Denn gerade hatte er seinen WM-Titel abgeben müssen: Der langweilige Riesenboxer mit dem Zen-Blick wurde nach Jahren von Kämpfen gegen zweitklassige Gegner endlich vom Thron gestoßen. Historisch! Deshalb Teil des Jahresrückblick 2015.

Buhu, Wladimir, buhu. Aber ist schon okay, immerhin steckt in Tyson „Mr. T” Fury wirklich alles drin: Da ist die fury, wie das Pferd oder die Superkraft grüner Actionhelden und da ist Tyson – als Vorname! Die Mutter von Tyson, Frau „Pink Ranger” Fury, wusste wohl sofort, was für ein Killer ihr da entschlüpft war. (Eigenen Aussagen zufolge war es der Vater, der den Namen ersann, als er seinen frühgeborenen  Sohnemann dabei beobachtete, wie er sich eiskalt und mit einer unsäglich wilden Wut durchkämpfte. Das Mutterbild ist aber schöner, schon wegen des Pink Rangers.)

Nomen est omen; es hat sich gelohnt: Tyson „Megazord” Fury macht seinem Namen alle Ehre. Er hat Klitschko verprügelt. Und das hat vor ihm noch niemand geschafft! Weder David Haye, der alter Pressekonferenzen-Prügler („He glassed me, he fuckin‘ glassed me!“), noch Chris Byrd und schon gar nicht Axel „Stulle” Schulz von Fackelmann.

Erst vor kurzem hatte Wladimir noch Kubrat „The Blob” Pulev verhauen – eine Berliner Institution (Hotel Kubrat in der Platte in Mitte, mit einem riesigen Pulev-Banner an der Hauswand).

Naja, jetzt ist Klitschko seinen Titel jedenfalls los. Nicht nur einen, nein, alle drei. Alle weg, alle auf einmal – lol, Klitschko.

Bleibt die Frage, ob die Niederlage nur ein Publicity Stunt war, um den Rückkampf noch besser vermarkten zu können? Ey, dem Kerl ist alles zuzutrauen, aber letztlich ist es uns auch egal und wir feiern derweil Tyson „Batman” Fury.

Robert Hofmann