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von und für Zaubernde

Stumme Schreie nach Liebe? Das Lied können Die Ärzte einmotten, im Jahre 2017 verlassen sich Nazis auf die Technik. Eine Auswahl kitschig-kritischer Kunstwerke, gefunden auf Facebook-Profilen treuer Deutscher.

Es begann mit einem Klick auf das Bild einer liebenden Mutter.

Maybe it's Maybelline, maybe it's versteckter Rassismus.
Vom Kreissaal schnurstracks zurück auf’s Battlefield BRD!

Ich hatte eigentlich nur vor, einen flüchtigen Blick auf das heiß diskutierte Bild zu werfen. Doch dann blieb ich in der dazugehörigen Kommentarspalte der AfD hängen. Besonders dieses stereotype Schmankerl weckte meine Neugier.

Gutmenschen + Kopftuch = Der neue heiße Scheiß?
Das hat uns gerade noch gefehlt.

Ich stattete Silkes Profil einen Besuch ab. Mich begrüßte die heilige Familie persönlich. Jedenfalls zu 2/3. 

Mariea trägt nur ein Kopftuch, keine Burka.
Warum liegt hier überhaupt Stroh?

Meine Kenntnisse über die biblische Geschichte sind rudimentär, deshalb ließ mich der Name Mariea aufhorchen. Hatte ich mir all die Jahre über einen falschen Namen eingeprägt? Und hatte Gott womöglich gar nicht mit Maria, sondern Mariea keinen Sex? Ich blieb noch einen Moment an dem deplatzierten Komma hängen, dann klickte ich weiter.

Eyes, Eyes, Baby!
Es ist aber auch gemein ein Porträt von Merkel direkt nach dem G20-Gipfel zu verwenden.

Gedanklich las ein besorgter Bürger die Überschrift in zitterndem Chemnitzer Dialekt vor. Der proklamierte Hass war gewohnt, die gestalterische Untermalung weniger konventionell. PowerPoint in einer schlaflosen Nacht? Die Kommentare unter dem Artikel katapultierten mich endgültig in den Nazi-Abgrund. Anders gesagt: Das Profil von Björn.

Außerdem was für "seinen" Weg? Hast du gerade mein Gender assumed, Björn?
Die massive Alu-Kette mit Goldeffekt verleiht dem legeren Alltags-Look im Handumdrehen den besonderen Flair.

Björns Waffensammlung wächst anscheinend ebenso schnell wie seine Hängepflanze. Nachdem ich schockartig einige seiner rassistischen Kommentare gemeldet hatte, befasste ich mich näher mit seinem Selbstporträt. Aufrecht und gerade geht man seinen Weg. Björn kann das sogar im Sitzen. Anders als Frauke Petry, die mit ihrer leichten Nackenfehlstellung unausweichlich vom rechten Weg abkommen wird.

Ein paar Klicks weiter bewies sich, wer die wahren faschistischen Fashionistas sind: Frauen. Zum Beispiel Annette.

Annette will den Dexit, aber ihre Wohnung behalten.
Weißes Dekolleté, schwarze Beine. Ist da jemand Multi-Kulti?

Annette hat Zeit und Geld in dieses politische Statement investiert. Das gefiel LIa. Achtung: Ab hier wird es richtig absurd.

Is datt der eine Blaue von Avatar?
Okaaaaaaay.

Doch, LIa. Eine Sache ist geiler, als eine Vision deren Zeit gekommen ist. Das Wortspiel „ZEITfuckThor“. Es läutete die mediale Mischung von Rassismus und Esoterik ein. Vorsichtshalber legte ich mir ein Bündel Knoblauch neben den Laptop. Meine Augen brannten von den ganzen Kreuzritterflaggen sowieso schon genug. Gustav kam mir gerade recht.

Regen= Strukturiertes Wasser? Aber die Tropfen sind doch rund oder so?
Anbei ein fachmedizinisches Abbild der Blutgruppe A42.

Mit erfrischender Stilsicherheit klärte er mich in nur einem Satz ( ja da war kein Punkt am Ende, aber man kann sich ja mal vertippen) über die Gefahren von Blut auf. Genauer gesagt von Morgelons im Blut. Meine fundierte Google-Recherche ergab überraschend, dass es sich hierbei wohl um eine Hautkrankheit handelt. Ich hatte an einen süßen kleinen Bazillus gedacht, vielleicht vom Mars. Ein Blick auf Gustavs Karriere-Info überzeugte mich aber hinreichend von seiner Kompetenz:

Gustav takes it all.
Wenn die Erde so schädlich ist, warum bist du als Astronaut nicht einfach im All geblieben, Gustav?

Eine Woge des Neids durchfuhr meinen studentischen Körper. Was hatte dieser Mann nur alles erreicht? Da konnte man schon fast über seine Affinität zur NPD hinwegsehen. Apropos NPD! Es hatte doch so friedlich, bürgerlich, christlich begonnen? Ein argloser Klick (Trau dich, Deutschland!) und ich war aus dem überhaupt niemals, auf gar keinen Fall rassistischen AfD-Heimathafen in struckturierte  Gewässer gesegelt.

Ich musste auftauchen. Mein Gehirn brauchte eine photoshop-verwöhnte Streicheleinheit. Zum Glück fanden sich auch davon sehr viele auf den Seiten der vaterlandstreuen Bürger.

Kumma, die Heiligenscheine sehen aus wie Eheringe. Aber der Papst mag Homos doch nicht?
All the things she said, all the things she said….

Aaaah. Welch süße Unschuld, welch Woge der Liebe. Wenn ich du bist, und du ich, dann ist Maria Mariea und Mariea Maria. Darauf ein Stößchen struckturiertes Wasser (und eine Social-Media-Pause.)

Dieser Text hat dich vielleicht zum Stöbern in Online-Profilen von Nazis verleitet. Vergiss neben dem hysterischen Gelächter bitte nicht, die Vollidioten zu melden. Du bist schließlich ein Gutmensch.

Noch mehr linksversifften Gutmenschen-Schweinskram bekommst du übrigens in unserer aktuellen Print-Ausgabe. HIER kannst du sie bestellen.